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Wollarten

Merinowolle - 

Eine Wunderfaser der Natur

Merinowolle gilt seit Jahrhunderten als eine der edelsten Naturfasern der Welt. Sie vereint Weichheit, Funktionalität und Nachhaltigkeit – und ist damit nicht nur in der Mode, sondern auch in vielen Alltagsbereichen hochgeschätzt. Doch was macht Merinowolle so besonders, wie wird sie gewonnen und wofür eignet sie sich am besten?

In diesem Artikel erfährst du alles über die Eigenschaften, Vorteile und Anwendungen dieser einzigartigen Wollart – von ihrer Geschichte bis hin zu Tipps für die richtige Pflege.

Inhalt


  1. Was ist Merinowolle?
    • Definition & Herkunft
    • Zucht und Gewinnung
  2. Was macht Merinowolle so besonders?
  3. Merinowolle im Vergleich
    • Merinowolle vs. Bergschafwolle
  4. Anwendungsbereiche von Merinowolle
    • Kleidung & Heimtextilien
    • Spezialanwendungen (Jagd, Ofenverkleidung, Raumakustik, Brotkörbe etc.)
  5. Pflege von Merinowolle
    • Tipps für Waschen, Trocknen & Lagern
  6. Aufbau der Wollfaser
  7. Geschichtlicher Rückblick & wirtschaftliche Bedeutung
    • Von Spanien bis Australien – die Entwicklung der Merinowolle

Merinowolle

Eigenschaften & Vorteile im Überblick

Feine Faserstruktur (16–24 Mikron)

Seidig-weich, ideal für sensible Haut

Hohlfaseraufbau

Wärmt bei Kälte, kühlt bei Hitze

Atmungsaktiv & temperaturregulierend

Angenehmes Körperklima zu jeder Jahreszeit

Hygroskopisch

Nimmt bis zu 30 % Feuchtigkeit auf, bleibt trocken

Antibakteriell & geruchsneutral

Bleibt länger frisch, ideal für Alltag, Reisen, Sport

Lanolin-Schutzschicht

Wirkt schmutzabweisend & leicht selbstreinigend

UV-beständig

Natürlicher Schutz vor Sonnenstrahlen

Biologisch abbaubar

Vollständig natürlich, ohne Mikroplastik

1. Was ist Merinowolle?

1.1 Definition & Herkunft

Merinowolle zählt zu den edelsten Naturfasern der Welt. Sie stammt von Merinoschafen, die für ihre besonders feine, weiche und langlebige Wolle bekannt sind. Die Nutzung von Schafwolle reicht bis in die Steinzeit zurück, erste Wollfilze wurden in Ägypten, China und Nordeuropa hergestellt.



Ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. entstand in Spanien das Merinoschaf durch Kreuzung des Römerschafs mit dem spanischen Kupferschaf. Jahrhunderte lang war Merinowolle ein streng gehütetes Luxusgut der europäischen Aristokratie. Erst im 18. Jahrhundert wurden Merinos nach Mitteleuropa exportiert und dort mit einheimischen Schafrassen gekreuzt. Später verlagerten sich die Schafzuchten in überseeische Regionen wie Australien, Neuseeland, Südafrika, Argentinien und Uruguay – heute die wichtigsten Produzenten feinster Merinowolle.


Merinowolle ist nicht nur ein Rohstoff, sondern ein Stück Kulturgeschichte: Sie verbindet jahrhundertelange Zuchttradition, nachhaltige Nutzung und herausragende textile Qualität.

Weltkarte aus Schafwolle mit markierten Herkunftsländern der Wolle – Spanien, Uruguay, Australien, Neuseeland, Argentinien, Südafrika, Indien, China und Türkei

Unsere Merinowolle

Wir bei Steiner1888 verarbeiten seit über 50 Jahren Merinowolle – eine Faser, die uns durch ihre Feinheit, Weichheit und Funktionalität überzeugt. Unsere Merinowolle stammt aus Südamerika, genauer gesagt aus Uruguay, wo das milde Klima ideale Bedingungen für feinwollige Schafe und eine verantwortungsvolle Schafhaltung bietet. Mulesing wird dort nicht praktiziert, und das Tierwohl ist ein fester Bestandteil der Landwirtschaft.

Auch in Österreich gibt es Merinoschafe, doch durch das raue Alpenklima entwickelt ihre Wolle eine festere, griffigere Struktur. Für besonders weiche, hautfreundliche Produkte setzen wir daher auf südamerikanische Merinowolle – eine Qualität, die man spürt.

1.2 Zucht und Gewinnung von Merinowolle

Merinoschafe liefern ein besonders feines, weiches Vlies, das seit Jahrhunderten für hochwertige Textilien geschätzt wird. Die wichtigsten Produzenten sind Australien, Neuseeland, Argentinien, Uruguay, Südafrika, Indien, China und die Türkei.

Arten der Wollgewinnung

  • Schurwolle: Vom lebenden Tier gewonnen, regelmäßig geschoren, besonders hochwertig.
  • Lammwolle: Erste Schur von jungen Tieren unter einem Jahr, extrem weich.
  • Haut- oder Schwitzwolle: Aus den Häuten geschlachteter Schafe.
  • Gerberwolle: Aus Fellen, die im Gerbprozess gewonnen werden.
  • Sterblingswolle: Von verendeten Tieren, qualitativ am geringsten wertvoll.

Innerhalb eines Vlieses unterscheidet sich die Qualität ebenfalls: Schulter-, Hals- und Seitenwolle ist am hochwertigsten, während Kopf-, Bauch- und Beinwolle gröber und weniger wertvoll ist.

Wir bei Steiner1888 verarbeiten ausschließlich hochwertige Schurwolle vom lebenden Tier. Das garantiert nicht nur eine gleichbleibend hohe Qualität unserer Produkte, sondern entspricht auch unserem Anspruch an Nachhaltigkeit, Tierwohl und Tradition.

Schur & Sortierung

Üblicherweise erfolgt die Vollschur im Frühjahr. Sie liefert längere, kräftigere Fasern als die seltenere Halbschur (Frühjahr und Herbst). Nach der Schur wird das Vlies in verschiedene Partien zerlegt, um einheitliche Qualitäten zu erhalten.

Da Rohwolle naturgemäß durch Schweiß, Schmutz, Pflanzenreste oder Futterrückstände verunreinigt ist, beträgt der Anteil an Verschmutzungen meist 40–50 % des Rohgewichts. Je nach Aufbereitung unterscheidet man:

  • Roh- oder Schweißwolle: ungewaschen, direkt von der Schur
  • Vorgewaschene Wolle: vor allem bei Übersee-Exporten zur Gewichtsreduzierung vorgereinigt
  • Fabrikgewaschene Wolle: industriell gereinigt, frei von Schmutz und Wollfett, ggf. zusätzlich durch Carbonisieren von Pflanzenresten befreit

Schafschur

2. Was macht Merinowolle so besonders?

Ist Merinowolle für empfindliche Haut geeignet?

Merinowolle gehört zu den feinsten Wollarten weltweit. Mit einem Faserdurchmesser von nur 16–24 Mikron liegt sie weit unter der menschlichen Kratzgrenze von ca. 25 Mikron. Dadurch fühlt sie sich sehr weich an und ist auch für empfindliche Haut geeignet. Ihre besonders kleinen und dichten Schuppen auf der Cuticula machen sie kratzfrei – ein entscheidender Unterschied zu gröberen Wollsorten wie Bergschaf- oder Crossbred-Wolle.

Wie reguliert Merinowolle Temperatur und Feuchtigkeit?

Dank ihrer natürlichen Kräuselung bildet Merinowolle Luftkammern, die Wärme im Winter speichern und im Sommer einen kühlenden Effekt erzeugen. Zudem kann sie bis zu 35 % ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen. Die Faser gibt überschüssige Feuchtigkeit kontrolliert wieder ab und sorgt so für ein ausgeglichenes Mikroklima auf der Haut.

Ist Merinowolle geruchsfrei?

Die schuppenartige Oberfläche der Merinofaser verhindert, dass sich Bakterien festsetzen – Geruchsbildung bleibt weitgehend aus. Zusätzlich baut das in der Faser enthaltene Keratin geruchsbildende Bakterien aktiv ab. Oft reicht einfaches Lüften, um Kleidungsstücke wieder frisch zu machen – ideal für Sport, Reisen und Outdoor-Aktivitäten.

Ist Merinowolle nachhaltig?

Merinowolle ist eine nachwachsende Naturfaser: Schafe werden ein- bis zweimal im Jahr geschoren. Die Faser ist biologisch abbaubar, frei von Mikroplastik und kann sogar kompostiert werden. Beim natürlichen Zersetzungsprozess gibt Wolle wertvolle Nährstoffe wie Stickstoff und Kalium an den Boden ab und wirkt so als natürlicher Dünger. Dank ihrer außergewöhnlichen Langlebigkeit reduziert Merinowolle den Textilabfall deutlich und stellt eine umweltfreundliche Alternative zu synthetischen Fasern dar.

Schützt Merinowolle vor UV-Strahlen?

Merinowolle schützt auf natürliche Weise vor Sonneneinstrahlung und blockiert je nach Dichte bis zu 97 % der UV-Strahlen – ganz ohne chemische Zusätze. Diese Eigenschaft macht sie besonders wertvoll für Outdoor- und Funktionsbekleidung.

3. Merinowolle vs. Bergschafwolle – Was ist der Unterschied?

Eigenschaften Bergschafwolle Merinowolle
Faserstärke ca. 28–40 Mikron ca. 16–24 Mikron (superfein)
Hautgefühl Kräftig, griffig Seidig-weich, sehr hautfreundlich
Wärmeleistung Hoch, besonders in dicker Verarbeitung Hoch, aber auch bei Hitze angenehm
Feuchtigkeit Gut, aber weniger als Merino Sehr hoch, bleibt trocken
Geruchsneutralität Natürlich antibakteriell Natürlich antibakteriell
Strapazierfähigkeit Extrem robust, langlebig Weniger robust, aber elastisch
Preis Regional, meist günstiger Hochwertiger, teurer
Einsatz Loden, Interieur, traditionelle Textilien Funktionskleidung, Accessoires, Loden
Merinowolle
heimische Bergschafwolle von Steiner1888

Keine gute oder schlechte Wolle – alles eine Frage der Verwendung

Ob Bergschaf-, Merino- oder Kaschmirwolle: Jede Wollart besitzt ihre ganz eigenen Stärken. Es gibt daher keine „gute“ oder „schlechte“ Wolle – entscheidend ist immer der richtige Einsatzzweck. Gröbere Fasern sind ideal für strapazierfähige Lodenstoffe, robuste Wolldecken oder Jagdbekleidung. Feine Merinowolle hingegen überzeugt durch ihre Weichheit und Elastizität – perfekt für Kleidung mit direktem Hautkontakt sowie für Baby- und Kinderbekleidung. Erst durch die passende Verarbeitung entfalten sich die besonderen Eigenschaften jeder Wollart in ihrer ganzen Qualität.

Feinheit

Die Feinheit (1-8 dtex) schwankt genauso wie die Länge des Wollhaares sehr stark (ca. 12-70 mm). Je kürzer eine Wollfaser, desto feiner ist sie, so beträgt z. B. der Faserdurchmesser für Merino 16-24 µm, für Crossbred 25-37 µm und darüber und für Cheviot 32-40 µm. Der Durchmesser kann von der Wurzel bis zur Spitze stark schwanken = untreue Wolle". Je gleichmäßiger die Feinheit (.. Treue") der einzelnen Wollfasern ist, desto gleichmäßiger und zugfester wird der daraus hergestellte Faden.

Kräuselung

Die Kräuselung des Wollhaares ist meist dreidimensional, Feine Wollen weisen fast immer eine höhere Kräuselung auf als grobe Wollen. Dies ist auf die Anteile und die Lage von Ortho- und Paracortex im Faserstamm zurückzuführen. Nach Art und Zahl der Kräuselbögen gibt es vor allem flach-, normal- und hochbogige Wollen. 

Neben der Elastizität der Wollfaser ist deren Kräuselung für die Bauschfähigkeit von Fasern, Fäden und textilen Flächen ausschlaggebend. Je höher die Kräuselung, umso größer ist der Lufteinschluß zwischen den Fasern und der Fülligkeit (Volumen), wodurch sich ein hohes Wärmerückhaltevermögen ergibt. Bei zu hoher Kräuselung der Fasern können Schwierigkeiten beim Verspinnen auftreten. Deshalb wird in diesem Fall häufig durch Streckung unter Dampfeinwirkung entkräuselt.

Detailaufnahme der natürlichen Kräuselung von Merinowolle, die für Elastizität, Volumen und Wärmeisolierung sorgt.

4. Anwendungsbereiche von Merinowolle

Merinowolle ist eine der feinsten und funktionalsten Wollarten weltweit. Sie überzeugt durch Weichheit, Temperaturregulierung, Atmungsaktivität und Geruchsneutralität und ist damit ideal für Kleidung, Heimtextilien und spezielle Anwendungen.

Kleidung & Heimtextilien

  • Funktionsunterwäsche & T-Shirts: Perfekt für Sport, Wandern oder Reisen. Natürliche antibakterielle Wirkung hält Kleidung lange frisch.
  • Baselayer für Outdoor & Skitouren: Wärmend bei Kälte, kühlend bei Hitze.
  • Pullover, Mützen & Schals: Für weiches Tragegefühl und natürliche Wärme.
  • Wohndecken & Kissen: Temperaturausgleichend, angenehm auf der Haut, langlebig.
  • Kinder- & Babydecken: Besonders weich, geruchsneutral und atmungsaktiv – ideal für empfindliche Haut.

Raumakustik & Wandverkleidung

Durch seine dicht gewalkte Struktur wirkt Loden nicht nur temperaturausgleichend, sondern auch schalldämpfend – er absorbiert Geräusche, beruhigt die Raumakustik und schafft so eine angenehm ruhige Wohnatmosphäre.

  • Wandpaneele in Wohnbereichen, Hotels oder Büros
  • Polsterungen für Betthalter, Kopfstützen oder Nischen
  • Akustiklösungen in Studios, Hotellerie, Gastronomie oder Arbeitsräumen

Spezialanwendungen

Merinowolle wird auch in kreativen und funktionalen Bereichen eingesetzt:

  • Loden-Holzofen: Hitzebeständig, isolierend und dekorativ
  • Flachmänner & Isoflaschen: Wärmeschutz und stilvolles Design
  • Brotkörbe & Aufbewahrung: Reguliert Feuchtigkeit, schützt Backwaren, chemiefrei
  • Trophäenbretter: Edles Erscheinungsbild, geruchsneutraler Schutz

Merinowolle bei Steiner1888

Wir bei Steiner1888 verwenden Merinowolle in vielen Bereichen – von Kleidung und Heimtextilien bis hin zu feinen Accessoires. Dank ihrer Weichheit, Atmungsaktivität und Hautfreundlichkeit eignet sich diese besondere Naturfaser auch hervorragend für den Baby- und Kinderbereich. Ob Decke, Kissen oder Schlafsack – Merinowolle sorgt überall für natürliche Wärme, Komfort und Langlebigkeit.

5. Wie pflegt man Merinowolle richtig?

Merinowolle ist langlebig, robust und überraschend pflegeleicht. Ihre feinen Fasern reinigen sich oft ganz von selbst – meist genügt einfaches Auslüften, damit sie wieder frisch und angenehm duftet. Sollte dennoch einmal ein Fleck entstehen, lässt sich dieser in den meisten Fällen mit sanften Mitteln problemlos entfernen.

HIER auf unserer Pflegeseite finden Sie praktische Tipps zur Reinigung und Fleckentfernung – von alltäglichen Verschmutzungen bis zu speziellen Fällen wie Rotwein oder Fett. So bleibt Ihre Merinowolle lange schön, weich und in ihrer natürlichen Form erhalten.

6. Aufbau der Wollfaser

Die Zusammensetzung einer Wollfaser hängt von Sorte und Herkunft des Schafes ab, doch grundsätzlich gilt: Hauptbestandteil aller tierischen Fasern ist Eiweiß (Protein), insbesondere Keratin. Dieses besondere Eiweiß bildet durch seine spiralförmige Molekülstruktur eine extrem elastische, widerstandsfähige Faser. Der Polymerisationsgrad (DP-Grad) liegt bei Wolle bei ca. 100 – das macht sie zu einer der komplexesten Naturfasern überhaupt. Der Faserkörper ist in mehrere Schichten gegliedert:

Schuppenschicht (Cuticula)

Die Cuticula ist die äußere Hülle der Wollfaser und besteht aus überlappenden Schuppenzellen. Sie schützt die Faser und sorgt für charakteristische Eigenschaften wie Filzfähigkeit und Schmutzabweisung. Man unterscheidet drei Lagen:

  • Epicuticula (Außenmembran): wasserabweisend für Flüssigkeitstropfen, aber durchlässig für Wasserdampf – ideal für das Feuchtigkeitsmanagement.
  • Exocuticula: verhornt und schuppenartig; sie schützt vor Abrieb und verleiht der Wolle ihre Fähigkeit zu verfilzen.
  • Endocuticula: dient als Stütze und grenzt die Schuppenschicht zur inneren Faser ab.

Spindelzellschicht (Cortex)

Der Cortex bildet den Hauptteil der Faser. Er setzt sich aus Millionen von Spindelzellen zusammen, die sich in zwei Bereiche gliedern:

  • Orthocortex: chemisch labiler, dehnbarer Teil, sehr saugfähig.
  • Paracortex: stabiler, weniger saugfähig, weniger dehnbar.

Markschicht (Medulla)

Die Medulla ist eine zentrale Zellschicht, die vor allem bei gröberen Wollsorten stark ausgeprägt ist. Sie kann die Geschmeidigkeit der Faser mindern. Feinere Wollarten, insbesondere Merino, besitzen nur winzige Markinseln oder sind nahezu markfrei – was ihre besondere Weichheit erklärt.

Das Zusammenspiel dieser beiden Schichten sorgt für die natürliche Kräuselung der Wollfaser – ein entscheidendes Merkmal für Wärmeisolation und Elastizität. Zusammengehalten werden die Zellen durch eine natürliche Kittsubstanz, das Lanolin (Wollfett). Es macht die Faser geschmeidig und wirkt wasser- sowie schmutzabweisend.

7. Geschichtlicher Rückblick und wirtschaftliche Bedeutung der Merinowolle

Die Geschichte der Merinowolle ist mehr als die Entwicklung einer Textilfaser. Sie ist eng verwoben mit Handel, Kultur, Mode, Wirtschaft und Machtstrukturen über Jahrtausende hinweg. Wer die Merinowolle betrachtet, blickt auf eine Reise von der Antike über das maurische Spanien bis hin zu den weiten Landschaften Australiens.

Frühzeit und Antike – die Anfänge der Schafhaltung

Die Nutzung von Schafwolle reicht weit zurück:

  • Bereits 5000–4000 v. Chr. hielten Menschen Schafe, vor allem in Mesopotamien, Ägypten und Anatolien. Archäologische Funde von Textilresten beweisen die frühe Verarbeitung.
  • In Ägypten wurde Wolle neben Leinen zu einem wichtigen Grundmaterial für Kleidung.
  • Auch in China lassen sich Funde von Wolle in Gräbern der Shang-Dynastie nachweisen.
  • In Europa – etwa in Skandinavien und Mitteleuropa – war Wolle schon in der Bronzezeit fester Bestandteil der Alltagskultur.

Die Griechen entwickelten um 800 v. Chr. gezielt Schafrassen mit weicherer Wolle. Später übernahmen die Römer diese Zuchtmethoden und verfeinerten sie. Das „Römerschaf“ war robust und genügte den Anforderungen der damaligen Textilproduktion. Eine technische Neuerung machte den Unterschied: Ab 500 v. Chr. wurde die Wolle nicht mehr nur gerauft, sondern mit Scheren geschnitten. Das erlaubte eine sauberere Gewinnung und legte den Grundstein für professionellere Verarbeitung.

Vom Römerschaf zum Merinoschaf – die Geburt einer edlen Faser

Im 2. Jahrhundert v.Chr. tauchten in Vorderasien erstmals feinwollige Schafrassen auf, die sich deutlich von den bisher verbreiteten grobwolligen Typen unterschieden. Ihr dichteres und weicheres Vlies markierte einen entscheidenden Entwicklungsschritt auf dem Weg zum Merinoschaf.
 Die eigentliche Entstehung des Merinoschafs erfolgte jedoch erst im 7. Jahrhundert n. Chr. Im Zuge der maurischen Besetzung Spaniens wurden neue Schafrassen eingeführt. Durch die Kreuzung des robusten Römerschafs mit dem einheimischen spanischen Kupferschaf entstand eine neue Rasse: das Merinoschaf. Diese Tiere zeichneten sich durch besonders feine Wolle, hohe Klimafestigkeit und große Anpassungsfähigkeit aus. Ihre Fasern waren weicher als alles zuvor Bekannte und legten den Grundstein für die spätere Bedeutung der Merinowolle in der Textilproduktion.

Mittelalter – das spanische Monopol

Im europäischen Mittelalter stieg Wolle zum Wirtschaftsfaktor Nummer eins auf. Städte wie Florenz, Brügge und Antwerpen bauten ihre Macht auf dem Wollhandel auf.

Doch die Merinowolle war etwas ganz Besonderes:

  • In Spanien war ihre Zucht ein Staatsgeheimnis.
  • Der Export lebender Merinoschafe war streng verboten.
  • Wer gegen diese Regel verstieß, riskierte die Todesstrafe oder den Verlust seines Besitzes.
  • Die Zucht wurde von der Mesta, einer mächtigen Vereinigung von Schafhaltern, streng reguliert.

18. Jahrhundert – Spaniens Öffnung und die Verbreitung der Merinowolle

Bis ins 18. Jahrhundert war die Merinowolle ein spanisches Monopol. Exporte waren streng verboten, die Tiere galten als Nationalgut. Erst unter politischem und wirtschaftlichem Druck lockerte Spanien die Regeln und erlaubte den kontrollierten Export. Zuerst gelangten Merinos nach Sachsen und Preußen, später auch nach Frankreich, Österreich und England. Häufig wurden die Tiere als Geschenke an Könige und Fürsten übergeben – ein Symbol politischer Freundschaft. Durch die Kreuzung mit einheimischen Rassen entstanden sogenannte Crossbreds – Mischformen, die die Feinwolligkeit der Merinos mit der Robustheit lokaler Schafe verbanden. Aus diesen Linien entwickelte sich später unter anderem das bis heute verbreitete Merinolandschaf.

Die Expansion nach Übersee

Ein entscheidender Schritt folgte Ende des 18. Jahrhunderts: 1797 wurden die ersten Merinos nach Australien gebracht. Dort boten riesige Weideflächen und das milde Klima perfekte Bedingungen. Schon bald wurde Australien zum Hauptproduzenten feinster Merinowolle. Auch Neuseeland, Südafrika, Argentinien und Uruguay etablierten sich als wichtige Zuchtregionen. Damit verlagerte sich die Wollproduktion zunehmend nach Übersee – ein Meilenstein für die globale Bedeutung der Merinowolle.

19. Jahrhundert – Industrialisierung und Konkurrenz

Mit der Industrialisierung stieg der Bedarf an Fasern rasant. Spinnereien entstanden und Maschinen ersetzten zunehmend die Handarbeit, was die Marktanteile der einzelnen Materialien stark veränderte: Anfang des 19. Jahrhunderts bestand der Textilmarkt zu etwa 50 % aus Wolle, 40 % aus Baumwolle und 10 % aus Seide und Flachs. Bis 1900 hatte sich dieses Verhältnis verschoben: Baumwolle dominierte mit rund 75 %, während Wolle auf nur noch 20 % zurückging. Trotz der wachsenden Beliebtheit von Baumwolle blieb Merinowolle unersetzlich für hochwertige Textilien. Ihre außergewöhnliche Feinheit, Elastizität und natürliche Fähigkeit zur Feuchtigkeitsregulierung machen sie bis heute zur bevorzugten Wahl für exklusive Bekleidung.

Merinowolle im 20. und 21. Jahrhundert

Die Geschichte der Merinowolle im 20. und 21. Jahrhundert ist eine Geschichte von Wandel und Beständigkeit: Während synthetische Fasern die Textilindustrie eroberten, behauptete sie ihren Platz als natürliche Premiumfaser. Ihre einzigartige Kombination aus Wärme, Atmungsaktivität und Tragekomfort machte sie vom traditionellen Loden bis hin zur modernen Funktionskleidung unverzichtbar. Heute gilt sie als Symbol für Nachhaltigkeit und zeitlose Qualität – nachwachsend, langlebig, biologisch abbaubar und bei Steiner1888 bis heute mit handwerklicher Sorgfalt veredelt.

Geschichte Steiner1888

Seit 1888 prägt die Arbeit mit Wolle unser Handwerk in den Alpen. Aus der traditionellen Lodenmanufaktur ist ein Unternehmen entstanden, das für Qualität, Nachhaltigkeit und zeitloses Design steht. Über Generationen hinweg verbinden wir alpine Tradition mit moderner Innovation – und schaffen Produkte, die weltweit geschätzt werden.