Wollarten
Heimische Bergschafwolle -
Ursprünglich. Robust. Regional.
Wenn es um Regionalität, Natürlichkeit und echte Beständigkeit geht, setzen wir auf das Beste aus den Alpen: die Wolle vom österreichischen Bergschaf. Sie steht für Ursprünglichkeit, Charakter und Authentizität – gewachsen inmitten alpiner Landschaften, wo Wolle seit Jahrhunderten Teil des Lebens und Handwerks ist.
In diesem Artikel erfährst du alles über die Eigenschaften, Vorteile und Anwendungen der heimischen Bergschafwolle – von ihrer Geschichte bis hin zu Tipps für die richtige Pflege.
Inhalt
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Das Bergschaf
- Definition & Herkunft
- Aussehen & Verhalten
- Zucht und Gewinnung
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Was macht heimische Bergschafwolle so besonders?
- Regionalität & Verantwortung
- Eigenschaften & Vorteile im Überblick
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Anwendungsbereiche von Bergschafwolle
- Decken & Interior-Kollektionen
- Bekleidung & Tradition
- Bezugsstoffe & Raumtextilien
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Pflege von Bergschafwolle
- Tipps für Waschen, Trocknen & Lagern
- Aufbau der Wollfaser
- Geschichte, wirtschaftliche Bedeutung und aktuelle Herausforderungen
1. Das Bergschaf
1.1 Definition & Herkunft
Bergschafwolle bezeichnet die Wolle verschiedener Schafrassen, die traditionell im alpinen Raum Mitteleuropas gehalten werden. Dazu zählen vor allem Regionen wie Österreich, Südtirol, Bayern und Teile der Schweiz, in denen sich über Jahrhunderte hinweg robuste Schafrassen entwickelt haben, die an das Leben im Gebirge angepasst sind.
Die Haltung dieser Tiere ist eng mit der alpinen Almwirtschaft verbunden. Während der Sommermonate weiden die Schafe auf hochgelegenen Almen, im Winter werden sie in die Täler zurückgeführt. Diese traditionelle Form der Bewirtschaftung prägt bis heute die Kulturlandschaft der Alpen und trägt zur Pflege wertvoller Bergweiden bei.
Die Wolle der Bergschafe entsteht unter den besonderen klimatischen Bedingungen des Gebirges. Temperaturunterschiede, Wind und Niederschläge beeinflussen die Entwicklung des Fells und verleihen den Fasern ihre charakteristische Struktur und Widerstandsfähigkeit.
1.2 Schafrassen
Der Begriff „Bergschaf“ umfasst mehrere robuste Schafrassen, die seit Jahrhunderten im Alpenraum gezüchtet werden. Sie sind hervorragend an die rauen Bedingungen auf Almen und Hochweiden angepasst und bilden einen wichtigen Teil der traditionellen Schafhaltung in den alpinen Regionen.
Zu den bekanntesten Bergschafrassen im Alpenraum zählen:
- Tiroler Bergschaf (häufigste Rasse im Ennstal)
- Braunes Bergschaf
- Tiroler Steinschaf
- Juraschaf
- Walliser Schwarznasenschaf
- Weißes Alpenschaf
Diese Vielfalt spiegelt die regionale Identität und das kulturelle Erbe der alpinen Schafzucht wider – eine lebendige Tradition, die bis heute gepflegt und bewahrt wird.
Weiterführende Informationen zu den einzelnen Bergschafrassen finden Sie beim Österreichischen Bundesverband für Schafe und Ziegen .
Ein Teil der in diesem Abschnitt verwendeten Informationen basiert auf den dort veröffentlichten Fachinhalten.
Unsere heimische Bergschafwolle
Bei Steiner1888 beziehen wir unsere Bergschafwolle aus der Region rund um das Ennstal – direkt von Landwirten, die wir persönlich kennen. Die enge Zusammenarbeit mit heimischen Schafbauern und kurze Transportwege sind für uns ein selbstverständlicher Teil unserer Verantwortung gegenüber Tier, Natur und Region.
Derzeit können wir keine zusätzliche Wolle annehmen, da unsere Lager gut gefüllt sind. Langfristig möchten wir jedoch wieder mehr heimische Wolle verarbeiten und so unsere regionalen Schafbauern aktiv unterstützen. Mit neuen Ideen und Produkten zeigen wir, wie wertvoll, vielseitig und zukunftsfähig regionale Bergschafwolle sein kann – und hoffen, das Bewusstsein für dieses besondere Naturmaterial weiter zu stärken.
1.3 Zucht und Gewinnung von Bergschafwolle
Die Zucht des österreichischen Bergschafs konzentriert sich vor allem auf die alpinen Regionen. Die Tiere leben im Rhythmus der Jahreszeiten – im Sommer auf den Almen, im Winter in den Tälern. Diese naturnahe und artgerechte Haltung fördert nicht nur das Tierwohl, sondern sorgt auch für die charakteristische Robustheit und Widerstandsfähigkeit der Fasern.
Ein zentrales Ziel ist es, ihre Eignung für das Hochgebirge zu erhalten. Bergschafe tragen zur Pflege wertvoller Grünlandflächen bei und werden vor allem zur Lammfleischproduktion gehalten. In der Zucht legt man besonderen Wert auf Fruchtbarkeit, stabile Körperstruktur, gesunde Klauen und sichere Trittfestigkeit im steilen Gelände. Viele Bergschafe besitzen sogenanntes Mischvlies: Ihre Fasern bestehen aus einer weicheren Unterwolle und festeren Deckhaaren – ein natürlicher Schutz gegen die wechselhafte alpine Witterung.
Arten der Wollgewinnung
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Schurwolle: In Österreich stammt Wolle fast ausschließlich aus der Schur lebender Tiere. Die Schafe werden ein- bis zweimal im Jahr geschoren – ein wichtiger Bestandteil ihrer Pflege. Dabei entsteht hochwertige Schurwolle mit langen, elastischen Fasern. Sie ist ein natürlicher, nachwachsender Rohstoff und bildet die Grundlage für langlebige Qualitätsprodukte.
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Lammwolle: Lammwolle bezeichnet die erste Schur junger Schafe. Ihre besonders feinen und weichen Fasern machen sie zu einer der angenehmsten Wollqualitäten.
- Weitere Wollarten: Neben der Schurwolle fallen vereinzelt auch andere Wollarten an, etwa Haut- oder Schwitzwolle, Gerberwolle oder sogenannte Sterblingswolle. Diese entstehen meist als Nebenprodukte und werden in Österreich nicht für hochwertige Textilien verwendet. Sie finden, wenn überhaupt, Verwendung in technischen oder landwirtschaftlichen Bereichen, etwa für Dämmstoffe oder als Bestandteil von Düngerpellets.
Innerhalb eines Vlieses variiert die Qualität: Schulter-, Hals- und Seitenwolle sind besonders fein und gleichmäßig, während Kopf-, Bauch- und Beinwolle gröber und weniger wertvoll sind.
Schur und Sortierung
Schafe werden in der Regel zwei Mal im Jahr geschoren – im Frühjahr vor dem Auftrieb auf die Alm und im Herbst nach der Rückkehr ins Tal. Die Schur ist ein wichtiger Bestandteil der Tierpflege und liefert wertvolle, nachwachsende Wolle.
Das gewonnene Vlies wird anschließend in verschiedene Partien aufgeteilt, um möglichst gleichmäßige Qualitäten zu erhalten und die Wolle optimal weiterverarbeiten zu können. Auch innerhalb eines einzelnen Vlieses unterscheidet sich die Wollqualität: Besonders fein, gleichmäßig und damit wertvoll sind die Fasern von Schulter, Hals und Seiten des Tieres. Wolle von Kopf, Bauch oder Beinen ist meist gröber und wird daher für einfachere Anwendungen genutzt.
Reinigung der Wolle
Frisch geschorene Wolle enthält naturgemäß Rückstände wie Wollfett, Schweiß, Staub, Erde oder Pflanzenreste. Diese Bestandteile können etwa 40–50 % des Rohgewichts ausmachen. Durch eine sorgfältige industrielle Wäsche wird die Wolle gereinigt und für die weitere Verarbeitung vorbereitet.
- Roh- oder Schweißwolle: ungewaschene Wolle direkt nach der Schur
- Fabrikgewaschene Wolle: industriell gereinigte Wolle, bei der Schmutz, Wollfett und pflanzliche Rückstände weitgehend entfernt wurden. Bei Bedarf können verbleibende Pflanzenreste zusätzlich durch ein spezielles Verfahren (Carbonisieren) beseitigt werden.
2. Was macht Bergschafwolle so besonders?
Bergschafwolle zeichnet sich durch eine Reihe natürlicher Eigenschaften aus, die sie zu einem besonders widerstandsfähigen und vielseitigen Naturmaterial machen.
- Robust und langlebig – Die kräftige Faserstruktur macht Bergschafwolle besonders strapazierfähig. Sie eignet sich daher hervorragend für Lodenstoffe und Textilien, die über viele Jahre ihre Form und Stabilität behalten.
- Wärmend und temperaturausgleichend – In der Wollfaser eingeschlossene Luft sorgt für eine gute Wärmeisolierung und unterstützt ein ausgeglichenes Klima.
- Natürlich schmutz- und wasserabweisend – Das natürliche Wollfett (Lanolin) schützt die Fasern. Verschmutzungen haften weniger stark und können häufig einfach ausgebürstet werden.
- Formstabil und belastbar – Auch bei intensiver Nutzung bleibt das Gewebe stabil und behält Volumen sowie Griff.
- Charaktervolle Haptik – Die strukturierte Faser verleiht Stoffen aus Bergschafwolle eine natürliche, ursprüngliche Haptik.
Diese Eigenschaften machen Bergschafwolle besonders wertvoll für langlebige Textilien und traditionelle Stoffe wie Loden.
Ihre natürliche Widerstandsfähigkeit, Wärmeleistung und Pflegeleichtigkeit haben sie über Generationen hinweg zu einem
bewährten Material im alpinen Raum gemacht – sowohl für Bekleidung als auch für Wohntextilien.
2.1 Regionalität & Verantwortung
Wer sich für ein Produkt aus heimischer Bergschafwolle entscheidet, entscheidet sich für mehr als nur ein Textil. Es ist eine bewusste Wahl für regionale Rohstoffe, verantwortungsvolle Verarbeitung und den respektvollen Umgang mit Natur und Tier. Wolle aus der Region bedeutet kurze Wege, nachvollziehbare Herkunft und eine Wertschöpfung, die in der Region bleibt.
Bei Steiner1888 legen wir großen Wert auf diese Verbindung von Herkunft, Handwerk und Qualität. Kurze Transportwege und eine sorgfältige Verarbeitung sorgen dafür, dass der natürliche Charakter der Wolle erhalten bleibt – ebenso wie das handwerkliche Wissen, das seit Generationen weitergegeben wird.
Heimische Wolle steht damit auch für einen bewussten Gegenpol zur Schnelllebigkeit der Mode. Sie steht für langlebige Materialien, zeitlose Produkte und eine Herstellung, die auf Beständigkeit ausgelegt ist. Wer sich für solche Produkte entscheidet, entscheidet sich für Qualität, Herkunft und den respektvollen Umgang mit einem wertvollen Naturmaterial.
3. Eigenschaften & Vorteile im Überblick
| Eigenschaft | Vorteil für dich |
| Kräftige, strukturierte Faser | Besonders griffig, widerstandsfähig & langlebig |
| Hoher Lanolingehalt | Natürlich schmutz- & wasserabweisend |
| Atmungsaktiv & temperaturausgleichend | Angenehmes Klima im Sommer & Winter |
| Formstabil & robust | Weniger Pilling, ideal für stark beanspruchte Produkte |
| 100 % natürlich & biologisch abbaubar | Ein Rohstoff mit verantwortungsvoller Herkunft |
| Regionale Herkunft aus Österreich | Kurze Transportwege, Unterstützung heimischer Landwirtschaft |
| Schallabsorbierend | Wirkt natürlich geräuschdämpfend – ideal für Möbel- und Raumgestaltung |
Keine gute oder schlechte Wolle – alles eine Frage der Verwendung
Ob Bergschaf-, Merino- oder Kaschmirwolle: Jede Wollart besitzt ihre ganz eigenen Stärken. Es gibt daher keine „gute“ oder „schlechte“ Wolle – entscheidend ist immer der richtige Einsatzzweck. Gröbere Fasern sind ideal für strapazierfähige Lodenstoffe, robuste Wolldecken oder Jagdbekleidung. Wolle hingegen überzeugt durch ihre Weichheit und Elastizität – perfekt für Kleidung mit direktem Hautkontakt sowie für Baby- und Kinderbekleidung. Erst durch die passende Verarbeitung entfalten sich die besonderen Eigenschaften jeder Wollart in ihrer ganzen Qualität.
Wärmend und temperaturausgleichend
Bergschafwolle besitzt eine kräftigere, strukturierte Faser. Dadurch kann sie besonders viel Luft einschließen – eine wichtige Voraussetzung für ihre gute Wärmeisolierung.
- Wärmt zuverlässig, auch bei erhöhter Luftfeuchtigkeit
- Eingeschlossene Luftpolster sorgen für eine gute Isolationswirkung
- Unterstützt ein ausgeglichenes Mikroklima
Natürlich funktional
- Kann Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich unmittelbar feucht anzufühlen
- Das natürliche Wollfett (Lanolin) wirkt wasserabweisend und schützt die Faser vor Verschmutzungen
- Gerüche werden weniger stark gebunden als bei vielen synthetischen Materialien
- Pflegeleicht: Häufig genügt Auslüften oder vorsichtiges Bürsten
- Aufgrund ihrer voluminösen Faserstruktur besitzt Bergschafwolle zudem gute schallabsorbierende Eigenschaften
Faserstärke und Struktur
Die Faserstärke von Wolle wird in Mikron gemessen und ist ein wichtiger Faktor für Griff, Elastizität und Oberflächencharakter eines Materials.
Heimisches Bergschaf: ca. 30–40 Mikron
Merinowolle: ca. 17–24 Mikron
Die Fasern der österreichischen Bergschafwolle haben einen kräftigen Aufbau und besitzen eine ausgeprägtere Struktur. Dadurch entsteht ein markanter, griffiger Fasercharakter mit natürlichem Volumen und hoher Stabilität.
4. Anwendungsbereiche von Bergschafwolle
Bergschafwolle ist ein vielseitiger Naturrohstoff und bildet bei Steiner1888 eine wichtige Grundlage für unterschiedliche Produktbereiche. Ihre robuste Faserstruktur, das natürliche Volumen und der charaktervolle Griff verleihen Textilien eine besondere Beständigkeit und Authentizität.
Decken & Interior-Kollektion
In unseren Interior-Kollektionen ist Bergschafwolle ein fester Bestandteil – insbesondere in den Linien Heidi und Heidi Double. Diese Decken zeichnen sich durch ihre natürliche Farbgebung, spürbare Wärme und die typische, lebendige Struktur der Bergschafwolle aus.
Auch in unserer neuen Schlafdecke, die zu 50 % aus Bergschafwolle besteht, kommt die besondere Qualität dieser Faser zum Einsatz. Sie verbindet natürliche Wärme mit atmungsaktiven Eigenschaften und schafft so ein angenehmes Schlafklima.
Bergschafwolle findet auch in ausgewählten Accessoires Verwendung, etwa in Walksocken und Fäustlingen. Die natürliche Widerstandsfähigkeit der Faser sorgt für langlebige Produkte mit charaktervollem Griff und hoher Funktionalität. Alle Produkte stehen dabei für die Verbindung aus regionaler Rohstofftradition, sorgfältiger Verarbeitung und zeitloser Qualität.
Bekleidung & Tradition
Auch in der Bekleidung kommt Bergschafwolle aufgrund ihrer widerstandsfähigen Faserstruktur zum Einsatz. Sie vereint natürliche Wärmeleistung mit hoher Strapazierfähigkeit und unterstützt ein ausgeglichenes Körperklima – Eigenschaften, die sie besonders für robuste Bekleidungsstoffe geeignet machen.
Ein traditionelles Beispiel dafür ist der Schladminger Janker. Gefertigt aus heimischer Wolle steht er für die Verbindung von regionalem Rohstoff, handwerklicher Verarbeitung und alpiner Bekleidungstradition. Seine charakteristische Optik und langlebige Qualität machen ihn zu einem zeitlosen Ausdruck österreichischer Textilkultur.
Bezugsstoffe & Interioranwendungen
Ein weiterer wichtiger Einsatzbereich von Bergschafwolle ist die Verarbeitung zu Bezugs- und Interiorstoffen. Durch ihre robuste Faserstruktur, ihr natürliches Volumen und ihre hohe Formstabilität eignet sie sich besonders gut für langlebige Polster- und Bezugsstoffe sowie Wandverkleidungen.
Neben ihrer Strapazierfähigkeit besitzt Bergschafwolle auch funktionale Eigenschaften, die im Interior-Bereich geschätzt werden. Die gekräuselte Struktur der Wollfasern bildet zahlreiche kleine Luftpolster, die Schall aufnehmen und so zu einer angenehmen Raumakustik beitragen können.
Darüber hinaus unterstützt Wolle durch ihre Fähigkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben, ein ausgeglichenes Raumklima. Bergschafwolle verbindet damit natürliche Materialqualität, funktionale Eigenschaften und eine charaktervolle textile Oberfläche.
Bei Steiner1888 stehen Produkte aus Bergschafwolle für Slow Fashion und Slow Living. Sie werden regional gefertigt, ressourcenschonend verarbeitet und sind vollständig biologisch abbaubar. Durch kurze Transportwege, traditionelle Verarbeitung und den Einsatz natürlicher Materialien entstehen langlebige Produkte, die im Einklang mit Mensch, Tier und Umwelt stehen.
Mit jedem Stück aus heimischer Wolle wird regionale Wertschöpfung unterstützt, die Zusammenarbeit mit österreichischen Schafbauern gestärkt und zur Erhaltung einer lebendigen Handwerkskultur beigetragen. So entsteht nachhaltige Qualität – echt, beständig und mit alpinem Ursprung.
Schafwolle als natürlicher Dünger
Ungewaschene Bergschafwolle eignet sich hervorragend als organischer Langzeitdünger für Garten, Hochbeet und Pflanzen. Sie enthält wertvolle Nährstoffe wie Stickstoff und gibt diese über einen längeren Zeitraum gleichmäßig an den Boden ab.
Neben der Nährstoffversorgung verbessert Schafwolle auch die Bodenstruktur. Die Fasern lockern den Boden, fördern das Bodenleben und tragen zu einer besseren Wasserspeicherung bei, wodurch Pflanzen gleichmäßig versorgt werden.
Zusätzlich schützt Schafwolle den Boden vor Austrocknung, kann als Mulchmaterial eingesetzt werden und unterstützt ein nachhaltiges, natürliches Pflanzenwachstum im Garten. Mehr Informationen finden Sie auf unserer Dünger Seite.
5. Pflege von Bergschafwolle
Bergschafwolle gilt als besonders robust und pflegeleicht. Durch ihre natürliche Faserstruktur und das enthaltene Wollfett (Lanolin) haftet Schmutz meist nur oberflächlich an und kann häufig bereits durch einfaches Ausbürsten entfernt werden.
Auch regelmäßiges Auslüften genügt oft, um die Wolle wieder aufzufrischen, da sie Gerüche nur begrenzt annimmt.
Sollte dennoch eine stärkere Verschmutzung auftreten, lässt sich diese meist schonend mit kaltem Wasser und einem milden Wollwaschmittel behandeln. Aufgrund ihrer kräftigen Faserstruktur reagiert Bergschafwolle empfindlich auf zu hohe Temperaturen, starke Reibung oder intensives Wringen. Daher sollten Textilien aus Bergschafwolle stets liegend getrocknet werden.
So bleiben Form, Griff und natürliche Qualität der Wolle langfristig erhalten.
Auf unserer Pflegeseite finden Sie weitere praktische Hinweise zur Reinigung und Fleckentfernung – von alltäglichen Verschmutzungen bis zu speziellen Fällen wie Rotwein oder Fett. So können Sie Ihr Produkt aus Bergschafwolle über viele Jahre hinweg in seiner natürlichen Schönheit erhalten.
6. Aufbau der Wollfaser
Die Zusammensetzung einer Wollfaser hängt von Sorte und Herkunft des Schafes ab, doch grundsätzlich gilt: Hauptbestandteil aller tierischen Fasern ist Eiweiß (Protein), insbesondere Keratin. Dieses besondere Eiweiß bildet durch seine spiralförmige Molekülstruktur eine extrem elastische, widerstandsfähige Faser. Der Polymerisationsgrad (DP-Grad) liegt bei Wolle bei ca. 100 – das macht sie zu einer der komplexesten Naturfasern überhaupt. Der Faserkörper ist in mehrere Schichten gegliedert:
Schuppenschicht (Cuticula)
Die Cuticula ist die äußere Hülle der Wollfaser und besteht aus überlappenden Schuppenzellen. Sie schützt die Faser und sorgt für charakteristische Eigenschaften wie Filzfähigkeit und Schmutzabweisung. Man unterscheidet drei Lagen:
- Epicuticula (Außenmembran): wasserabweisend für Flüssigkeitstropfen, aber durchlässig für Wasserdampf – ideal für das Feuchtigkeitsmanagement.
- Exocuticula: verhornt und schuppenartig; sie schützt vor Abrieb und verleiht der Wolle ihre Fähigkeit zu verfilzen.
- Endocuticula: dient als Stütze und grenzt die Schuppenschicht zur inneren Faser ab.
Spindelzellschicht (Cortex)
Der Cortex bildet den Hauptteil der Faser. Er setzt sich aus Millionen von Spindelzellen zusammen, die sich in zwei Bereiche gliedern:
- Orthocortex: chemisch labiler, dehnbarer Teil, sehr saugfähig.
- Paracortex: stabiler, weniger saugfähig, weniger dehnbar.
Markschicht (Medulla)
Die Medulla ist eine zentrale Zellschicht, die vor allem bei gröberen Wollsorten stark ausgeprägt ist. Sie kann die Geschmeidigkeit der Faser mindern. Feinere Wollarten, insbesondere Merino, besitzen nur winzige Markinseln oder sind nahezu markfrei – was ihre besondere Weichheit erklärt.
Das Zusammenspiel dieser beiden Schichten sorgt für die natürliche Kräuselung der Wollfaser – ein entscheidendes Merkmal für Wärmeisolation und Elastizität. Zusammengehalten werden die Zellen durch eine natürliche Kittsubstanz, das Lanolin (Wollfett). Es macht die Faser geschmeidig und wirkt wasser- sowie schmutzabweisend.
7. Geschichte, wirtschaftliche Bedeutung und aktuelle Herausforderungen
7.1 Geschichte der Bergschafwolle
Bergschafwolle blickt im Alpenraum auf eine lange und tief verwurzelte Geschichte zurück. Seit Jahrhunderten werden Bergschafe in Österreich, Südtirol und Bayern gehalten – robust, genügsam und bestens an das raue alpine Klima angepasst. Ihre Wolle diente schon früh als Rohstoff für Loden- und Walkstoffe, die durch ihre natürliche Dichte und Widerstandsfähigkeit zuverlässigen Schutz vor Wind, Kälte und Nässe boten.
Besonders in Regionen wie dem Ennstal, dem Salzkammergut und Tirol war die Schafzucht ein fester Bestandteil der alpinen Kulturlandschaft. Neben Fleisch und Milch stellte die Wolle ein wertvolles Gut dar: Sie prägte die regionale Textilwirtschaft und sicherte vielen Familien über Generationen hinweg Einkommen und Unabhängigkeit.
Mit der Industrialisierung und dem zunehmenden Einsatz feinerer Importwollen – insbesondere aus Australien und Neuseeland – verlor die heimische Bergschafwolle teilweise an wirtschaftlicher Bedeutung. Diese Wollarten eignen sich aufgrund ihrer Feinheit besonders für weiche Bekleidungstextilien und wurden deshalb international stark nachgefragt.
Dennoch hat Bergschafwolle ihre besondere Bedeutung behalten. Durch ihre kräftigere Faserstruktur, ihr Volumen und ihre hohe Strapazierfähigkeit besitzt sie Eigenschaften, die andere Wollarten in dieser Form nicht bieten. Entscheidend ist daher, die jeweiligen Stärken der Faser gezielt einzusetzen. Wo Stabilität, Struktur und Langlebigkeit gefragt sind, bleibt Bergschafwolle ein wertvoller und unverwechselbarer Rohstoff der alpinen Textiltradition.
7.2 Wirtschaftliche Bedeutung und aktuelle Herausforderungen
Heimische Bergschafwolle steht heute für Nachhaltigkeit, Regionalität und Slow Fashion – ihre Nutzung ist jedoch wirtschaftlich anspruchsvoll.
Bei Steiner1888 beziehen wir unsere Bergschafwolle überwiegend aus dem Ennstal und den umliegenden Regionen. Nach der Schur wird die Wolle sorgfältig gewaschen und aufbereitet, bevor sie zu Garn oder Stoff verarbeitet werden kann. Dieser Prozess ist aufwendig, aber unerlässlich, um die natürliche Reinheit und Qualität der Wolle sicherzustellen.
So sehr wir uns eine stärkere Nutzung wünschen, zeigt die Realität auch klare Grenzen: Aufgrund ihrer gröberen Faserstruktur ist heimische Bergschafwolle nicht für jedes Produkt geeignet. Sie überzeugt durch Robustheit und Langlebigkeit, ist jedoch weniger weich als Merino oder Alpaka. Da die Marktnachfrage häufig feinere Qualitäten bevorzugt, bleibt der Absatz begrenzt – trotz verfügbarer Rohwolle und gut gefüllter Lager.
Derzeit können wir daher keine zusätzliche Wolle annehmen, auch wenn wir dies langfristig wieder anstreben. Unsere Hoffnung liegt in der Bewusstseinsbildung: im wachsenden Verständnis dafür, dass regionale Wolle ein wertvolles, nachhaltiges Naturmaterial ist, das lokale Kreisläufe stärkt und traditionelles Handwerk erhält.
Steiner1888 setzt heimische Bergschafwolle gezielt dort ein, wo ihre Stärken besonders zur Geltung kommen:
- im Interior-Bereich,
- im Schladminger Janker,
- in der Jagd- und Outdoorbekleidung,
- sowie in unserer innovativen Schlafdecke, die zu 50 % aus heimischer Bergschafwolle besteht und ihre temperaturausgleichenden Eigenschaften optimal nutzt.
Darüber hinaus eignet sich Bergschafwolle hervorragend für Filzprodukte:
- Schlapfen & Hausschuhe: Bergschafwollfilz wird für die Sohle eingesetzt, da er formstabil, isolierend und langlebig ist. Die Hülle besteht meist aus einer weicheren Merino- oder Merino/Alpaka-Mischung für hohen Tragekomfort.
- Sitzauflagen: Als Filzunterlage sorgt Bergschafwolle für Stabilität, Langlebigkeit und angenehmen Temperaturausgleich – auch bei intensiver Nutzung.
Mit der bewussten Entwicklung ausgewählter Produkte, wie unserer Schlafdecke, möchten wir künftig wieder mehr Wolle aus der Region verarbeiten und damit die Schafbauern im Ennstal und darüber hinaus nachhaltig unterstützen.