FERTIGUNGSSCHRITTE

Von der Wolle zum Loden


Vielen ist Loden ein Begriff, aber sie wissen gar nicht, wie er hergestellt wird und welche Arbeit eigentlich dahintersteckt. An der Fertigungsmethode hat sich seit den letzten 500 Jahren gar nicht mal so viel verändert, trotz des enormen technischen Fortschritts. Natürlich konnten einige Herstellungsverfahren durch Maschinen ersetzt werden… oder sagen wir lieber „erleichtert werden“… denn ohne die fleißigen Hände unserer Mitarbeiter würde es trotzdem nicht funktionieren. Kernelement in der Lodenerzeugung ist das Walken. Ohne den Walkprozess wäre Loden kein Loden. Aber mehr dazu später. Wir fangen ganz von vorne an. Beim Rohstoff Wolle.

Um 1950: Die Bauern bringen die frisch geschorene Wolle. Rechts Emma Steiner, die Großmutter der jetzigen Geschäftsführer Johannes & Herbert Steiner, beim Wiegen der Rohwolle.

DER ROHSTOFF


Unsere Rohstoffe sind feine Tierhaare, die wir zum überwiegenden Teil von den internationalen Märkten beziehen. Bei der Auswahl unserer Lieferanten achten wir auf eine artgerechte Haltung der Tiere. Deshalb können wir auch stolz verkünden, dass unsere Produkte mulesing-frei sind. Wir beschränken uns auf die beliebtesten Wollarten. Dazu zählt die Schurwolle des Bergschafs, Merinoschafs, Alpakas, dem Angorakaninchen und der Kaschmirziege.

BERGSCHAF

Das Besondere an der Bergschafwolle ist, dass wir diese von unseren heimischen Bauern beziehen können. Die Tiere werden zweimal jährlich vor und nach der Almsaison geschoren. Und genau zu diesen Jahreszeiten bringen uns die regionalen Bauern die frisch geschorene Wolle. Besonders unsere Bergschaf Decken sind besonders beliebt, da diese sehr robust und strapazierfähig sind. Und genau deshalb war und ist Loden bei Bauern, Jägern und Traditionsliebhabern immer noch sehr beliebt. Sei es die Arbeitshose, der Wetterfleck oder der Schladminger Janker.

ALPAKA

Alpakawolle ist bekannt für ihre wärmeregulierende Eigenschaft. Das Haar ist innen hohl und kann Körperwärme besser speichern als jede andere Wolle. Die Anleitung für kalte Füße: einfach unter eine Alpakadecke stecken. Das Haar nimmt die kalte Feuchtigkeit auf, ohne sich nass anzufühlen. Die Füße werden so ganz schnell warm und trocken. Alpakawolle hat auch eine antibakterielle Wirkung, weil sie sehr wenig Wollfett (Lanolin) aufweist. Ohne diesem Wollfett können sich Bakterien nicht vermehren und sterben ab. Daher sind Alpakadecken für Allergiker wunderbar geeignet.

MERINO

Besonders beliebt ist die Merinowolle, da diese angenehm weich ist. Die Schurwolle des Merinoschafs ist besonders fein und elastisch. Es liefert zwischen zwei bis drei Kilogramm edelster Wollqualität pro Jahr. Bei Schurwolle denken viele sofort an „das ist sicher kratzig“. Bei Merinowolle sind sie da auf der sicheren Seite. Unsere Produkte aus reiner Merinowolle sind kuschelig weich. Überzeugen Sie sich am besten selbst.

EDELHAAR

Die Luxusvariante steckt in der Wolle des Angorakaninchens und der Kaschmirziege. Anschmiegsamer geht es kaum noch. Der Angorawolle wird durch ihre wärmende und schweißabsorbierende Eigenschaft eine heilende Wirkung nachgesagt. Die Kaschmirziegen und ihre Wolle stammen aus dem asiatischen Raum. Ihr Wollkleid ist dicht, da sie in rauen Bedingungen auf rund 4000 Meter Höhe bei bis zu minus 40 Grad leben. Das edle Haar wird aus der Unterwolle gewonnen.

DAS SPINNEN


Sie kennen bestimmt das Märchen vom Rumpelstilzchen, welches trockenes Stroh zu leuchtendem Gold gesponnen hat. Leider haben wir noch nicht herausgefunden, wie das funktioniert. Vielleicht fehlt uns aber auch nur das passende Spinnrad. Wer weiß… Auch die Mägde und Bäuerinnen benutzten früher solche Spinnräder, um das Garn für das Weben vorzubereiten. Der Spinnprozess fängt bei uns aber noch etwas früher an: Der erste Vorgang ist das Krempeln. Je nachdem welche Qualität und Farbe wir erreichen möchten, wird die Rohwolle in der Krempelmaschine vermischt. Die Wollfasern werden durch Walzen, die mit Kratzbändern belegt sind, zu einem feinen Faservlies gelegt, das anschließend in Streifen geteilt und am sogenannten „Nitschelwerk“ zu einem Vorgarn gerundet wird. Ein Vorgarn ist noch nicht reißfest. Auf der Ringspinnmaschine entsteht dann durch kontinuierliche Drehung und gleichzeitiger Streckung des Vorgarnes das reißfeste Wollgarn. Ein Garn, so wie wir es aus dem Alltag kennen.

DAS WEBEN


Noch eine Besonderheit ist das Weben. Oft wird der Lodenstoff mit dem Walkstoff verwechselt. Umgangssprachlich versteht man unter einem Walkstoff einen Strick. Wir verwenden bei der Lodenherstellung ein Gewebe. Das Weben ist ein Prozess, den ziemlich jeder von uns noch aus Kindergartentagen kennen sollte. Es gibt die Längsfäden (Kette), die fix am Webrahmen befestigt sind und die Querfäden (Schuss), die man abwechselnd über und unter die Längsfäden durchmanövriert. Bei uns erledigen das zum Glück Maschinen, in einer Geschwindigkeit, bei der das Weben mit freiem Auge fast nicht erkennbar ist. Unsere geschulten Weberinnen und Weber haben dennoch viel zu Tun. Da kann dann schonmal ein Faden reißen und es muss nachgebessert werden.

DAS WALKEN


Jetzt kommen wir aber zur Königsdisziplin der Lodenerzeugung. Wolle hat die Eigenschaft unter der Einwirkung von Feuchtigkeit, Seife, Wärme und Reibung zu verfilzen. Diese Eigenschaft machen wir uns beim kontrollierten Walken des Rohgewebes in Breite und Länge zunutze. Hier entwickelt sich nun endlich aus dem Rohgewebe der eigentliche Loden. Den Walkprozess kann man sich vorstellen, wie eine große Waschmaschine. Das Gewebe wird dabei zusätzlich geknetet bzw. gehämmert. Auf unserer 130 Jahre alten Hammerwalke kann man den Vorgang noch genau beobachten. Auf dieser Hammerwalke entsteht der original Schladminger Loden, sowie alle leichteren Qualitäten dieses Warentyps in sehr handwerklicher Weise. Nur so kann der typische geperlte Effekt erzielt werden.

DIE VEREDELUNG


Aber der Loden ist noch immer nicht ganz fertig. Ein paar Feinheiten müssen dann schon noch sein. Die Rau-Maschine raut die Stoffe anhand Lockenwickler-ähnlichen Rollen auf. So werden die Stoffe weich und geschmeidig. Früher wurden dafür Disteln verwendet. Das Problem beim Rauen ist, dass die Wollfasern vom Stoff nicht gleichmäßig rausgerissen werden können. Daher muss der Stoff nun in die Schermaschine. Diese schneidet die gerauten Fasern gleichmäßig wieder ab. Bei den Bekleidungsstoffen ganz kurz und bei den Deckenstoffen lässt man den Flaum eben länger, damit die Decke ihren kuscheligen und weichen Charakter nicht verliert. Danach kommen die Stoffe noch in die Dekatiermaschine. Man kann sich diesen Vorgang ungefähr wie heißes Dampfbügeln vorstellen. Bei den Bekleidungsstoffen wird mit mehr Druck gearbeitet, damit diese formstabil werden. Der flauschige Charakter für die Deckenstoffe entsteht durch den heißen Wasserdampf, aber ohne Druck.

WOLLWELT FÜHRUNGEN


Das waren die wichtigsten Fertigungsschritte des Lodens. Aber es gibt noch viel mehr zu sehen. Für eine Steiner1888 Decke sind 40 Arbeitsschritte notwendig, bis diese für den Verkauf bereit ist. Viele davon passieren nach wie vor in Handarbeit. Besuchen Sie doch einfach unsere Wollwelt Führung in Mandling. Interaktiv und mit einem fachkundigen Guide werden Sie durch die Manufaktur geführt. Alle Infos und Termine finden Sie hier.